Auch Hunde durchlaufen im Zuge Ihres Erwachsenwerdens verschiedene Entwicklungsstufen. Die Welpenzeit ist meist geprägt von gutem Gehorsam und einem aufmerksamen Hund, der auf Schritt und Tritt folgt. Leider verfliegt diese Zeit meist sehr schnell. Der kuschlige kleine Welpe hat sich scheinbar über Nacht in einen Junghund verwandelt, der jegliches Gelernte plötzlich vergessen hat und sich in erster Linie für alles andere interessiert, außer seine Zweibeiner.
Herzlichen Glückwunsch, der Vierbeiner hat seine Adoleszenz erreicht – jetzt heißt es abwarten.
Etwa ab der 16. Lebenswoche verändert sich der Hund. Ab diesem Zeitpunkt spricht man nicht mehr von einem Welpen, sondern von einem Junghund.
Viele Hunde fangen in diesem Zeitraum an zu pöbeln, ignorieren ihre Zweibeiner und sind schlecht abrufbar bzw. ansprechbar. Die Pubertät setzt je nach Rasse etwas unterschiedlich ein. Kleine Rassen werden in der Regel früher geschlechtsreif, als große. Ganz grob kann man ein Hundeleben einteilen in die Welpenphase (etwa bis zur 16. Lebenswoche), die Junghundphase mit der Pubertät (rasseabhängig etwa bis 12. bzw. 24. Lebensmonat), die Erwachsenenphase (etwa bis zum Ende des 8.-10. Lebensjahres) und schließlich die Seniorenphase.
Anfangs sind Hunde Nesthocker, daher sehr anhänglich. Kommen sie in die Junghundzeit, möchten sie die Welt auf eigene Faust erkunden. Innerhalb dieser Lebensphase des Heranwachsens bis zum erwachsenen Hund löst die beginnende Ausschüttung der Geschlechtshormone die Pubertät aus.
Rüden fangen in dieser Zeit oft an, vermehrt zu markieren und das Beinchen zu heben. Hündinnen werden das erste Mal läufig. Einige Hunde machen hier ihre ersten Jagderfahrungen, wandern ab oder werden plötzlich unsicher. Es werden Grenzen getestet, sowohl bei Menschen, als auch bei anderen Hunden.
Jetzt heißt es dran bleiben! Die Hunde testen ganz genau, wie weit sie gehen können. Ruhe und Konsequenz sind hier das Mittel der Wahl. Man sollte Verständnis zeigen, denn hinter dem schwierigen Verhalten steckt keine böswillige Absicht.
Eine stabile und souveräne Führung zahlt sich am Ende immer aus.
- Trainiere alles (auch bereits) Gelernte kontinuierlich weiter, wechsle hier vielleicht die Belohnungsmethoden
- Schaue Tag für Tag, wie die Stimmung und die Aufmerksamkeit deines Hundes ist. Was gestern super geklappt hat, muss heute nicht wieder funktionieren
- Konsequenz
- Gebe deinem Hund Sicherheit, er hat nichts zu befürchten. Du regelst jegliche Situationen.
- Führe deinen Hund lieber an der Leine – oftmals funktioniert der Rückruf nicht mehr. Eine läufige Hündin sollte prinzipiell an der Leine ausgeführt werden.
- Stärke die Bindung zu deinem Hund und seine Bindung zu dir mit spannenden Spielen, gemeinsamen Hobbies und neuen Abenteuern/Ausflügen.
- Bestärke keine Übersprungshandlungen oder zu viel Energie. Sollte der Hund im Training merklich aufdrehen und sich nicht mehr konzentrieren können, beende das Training sofort. Dein Hund muss sich erst wieder „runterfahren“.
Genau wie bei jungen Menschen auch ist die Pubertät bei Hunden eine ganz normale Phase, während welcher im Körper, im Gehirn und Stoffwechsel Anpassungsvorgänge ablaufen, die für den Vierbeiner auf seinem Weg ins Erwachsenenleben entscheidend sind. Werden diese Vorgänge gestört oder unterbrochen, kann der Hund sich nicht physiologisch weiterentwickeln. Eine Kastration als Maßnahme zur Verhaltensbeeinflussung sollte daher immer erst nach Abschluss der Pubertät durchgeführt werden, sofern sich die Probleme nicht anders lösen lassen oder bestenfalls von selbst verschwinden.
Thema Kastration:
Ein häufig gegebener Rat bei Schwierigkeiten mit pubertierenden Hunden ist die Kastration des Tieres. Hier ist aber unbedingt Vorsicht geboten: Eine Kastration, also die operative Entfernung der Keimdrüsen (Eierstöcke bei der Hündin, Hoden beim Rüden) ist ein weitreichender Eingriff in den Hormonhaushalt des Hundes, der nicht mehr rückgängig zu machen ist und langfristig zu schwerwiegenden Problemen führen kann (z.B. Inkontinenz, Gelenks-/Knochenprobleme). Bevor zu dieser irreversiblen Maßnahme gegriffen wird, sollten alle anderen Möglichkeiten zur Behebung der Probleme ausgeschöpft werden.


